Slaves
For Life ist das Debüt der israelischen Band AMASEFFER
- und was für eins!
Mit der alt-testamentarischen Geschichte um den Auszug der Israeliten
aus Ägypten, gelingt der jungen Band ein absolut stimmiges
Album, das sich unterschiedlichster Spielarten der Musik bedient
und doch immer homogen bleibt. Das auch klangtechnisch superbe
Album besitzt einen ausgesprochen langen Atem, wirkt in weiten
Teilen wie ein Soundtrack, der einen großen Film stimmungsvoll
trägt, und zudem mit Mats Leven, dem ehemaligen Yngwie
Malmsteen Begleiter, Kobi Farhi und Gastsängerin Angela
Gossow (Arch Enemy) exzellente Vokalisten aufbietet. Bei aller
Opulenz vermeiden AMASEFFER überflüssigen Bombast
und pure Selbstgefälligkeit. Zwischen anmutigem Folk, orientalischer
Melodik geschuldeten Passagen und hartem, dunklen Metal mit
aggressiven Vocals, bewegt sich die Band mit einer unglaublichen
Sicherheit. Ob die Birth Of Deliverance elegisch zelebriert
wird, in Burning Bush Erinnerungen an Dario Argentos
liebste Band Goblin wach werden, Gitarrensoli zwischen akustisch
zart und elektrisch hart eingeflochten werden; nichts wirkt
überladen und selbstzweckhaft. Hier traut sich eine Band
konsequent große Gefühle zu zeigen, Grenzen zu überschreiten
und den Hörer auf eine Entdeckungsreise mitzunehmen, die
weder hörspielartige Sequenzen, filmische Soundeffekte
und Orchesterklänge, noch Doublebass-Attacken, kurze Growls
und heftige Breaks scheut. Aber AMASEFFER besitzen sowohl
die Musiker, als auch die Melodien und Rhythmen für dieses
Unterfangen. Denn hier wird nicht herumgesülzt, die Lieder
besitzen genügend Kraft und Power mögliche Vorwürfe
von anbiedernder, esoterischer Weltmusik mit einem lässigen
Handstreich beiseite zu wischen. Slaves For Life
ist ein gleichzeitig ausschweifendes, berauschendes wie kompaktes
Konzeptwerk, das mit jedem Hören neue Geheimnisse preisgibt.
Eigentlich müsste Arjen Lucassen vor Neid erblassen, wenn
ihm Slaves For Life zu Ohren kommt; schafft die
israelische Combo doch scheinbar mühelos, was ihm selten
über volle Albumlänge gelingt: ein hochdramatisches
Werk zu produzieren, dass den Geist des Weltkulturerbes atmet
und doch originär zum richtigen Augenblick mit Wucht und
Härte im Hier und Jetzt steht. Trotz des wirklich exzellenten
neuen Opeth Longplayers Watershed, MEIN Album des Monats Juni
2008 und ein heißer Anwärter auf einen Platz ganz
vorne in meiner persönlichen Jahreswertung.
Für ein Debüt nahezu unglaublich.