EBOLA
JOY – wer denkt sich solch einen Namen eigentlich
aus? Laut Band soll die unglückliche Kombination an die
Diametralität und gleichzeitige Existenz von Dunkelheit
(das Ebola-Virus) und Licht (Joy, die reine Freude) gemahnen.
Naja, Homer Simpson hätte vermutlich einen passenderen
Kommentar parat: „Ebola Joy? Ist das nicht die neue Freundin
von Ned Flanders?“ Käme mir auch plausibler vor.
Doch Namen sind Schall und Rauch, und der Schall ist im Fall
von Gallery ein äußerst
ansprechender. Die Verbindung elektronischen Poprocks mit (dunklem)
Metal, ist so ganz neu nicht; Theatre Of Tragedy haben ihn bereits
auf den Alben Musique und Assembly recht erfolgreich, aber ebenso
oft angefeindet, praktiziert. Letzteres dürfte Gallery
erspart bleiben, denn EBOLA JOY gehen homogener
und organischer als T.o.T. zu Werke. Während T.o.T. sich
eher an Human League orientieren dürften, finden sich EBOLA
JOY auf ihrer wavig, elektronischen Seite zwischen
Depeche Mode, (mittleren) Killing Joke und The Cure wieder.
Und wo T.o.T. kalten Techno-Metal praktizieren, liefern EBOLA
JOY packende Momente symphonischen Dark Metals, der
auch vor gelegentlichen Growls nicht Halt macht. Die Betonung
liegt allerdings auf „symphonisch“, denn allzu harte
und vertrackte Sequenzen wird man bei Gallery
vergebens suchen. Das ist auch nicht nötig, denn die Melange
aus druckvollen Elementen und einprägsamen Melodien beherrschen
EBOLA JOY außerordentlich gut. Ein Lied
wie Power Of Autumn dürfte eigentlich in jeder
Gothic Disco zum Hit taugen und selbst Headbanger auf die Tanzfläche
locken. Und im Gegensatz zu einer Band wie De/Vision, die es
sich im Bettkasten zu Füßen Dave Gahans und Martin
Gores bequem gemacht hat, verfolgen EBOLA JOY
ihren eigenen Weg. Sie kleben nicht allzu eng an großen
Vorbildern, sondern stellen mit Gallery
einen Nischenplatz zur Verfügung, der jedem musikalischen
Grenzgänger, der gefälliger Härte und melancholischem
Indie-Pop samt hippem Kitsch nicht abgeneigt ist, eine wohlige
Behausung bietet. Zudem noch Überraschungen wie Dumb
Peacock Scream, ein Song, der zwischen New Waviger Songwriter-Attitüde
und Art Rock Ballade zum Höhenflug ansetzt. Insgesamt ein
Album, das bei aller ebolöser Dunkelheit viel Freude bereitet.