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LIFE OF AGONY - UGLY KID JOE - TERRADOWN
 
2025-11-19 DE – Bochum - Zeche
| Einlass: 18:30 Uhr | Beginn: 19 Uhr | Tickets: 37,55 Euro + Gebühren | SOLD OUT |

30 Years Of Ugly

Zwischen meinem ersten und bis dato einzigen Gig von LIFE OF AGONY, damals wie heute in einer ausverkauften :: Zeche Bochum ::., und dem heutigen, liegen Welten. Und das liegt nicht nur am bösen C.
Fast 10 Jahre sind inzwischen vergangen. Die New Yorker haben zwei weitere Alben veröffentlicht und Mina ist wieder Keith Caputo. Ganz auf die holde Weiblichkeit verzichten LIFE OF AGONY aber nicht, denn mit Veronica Bellino gibt es jetzt eine Frau hinter den Fellen, die seit 2018 anstelle von Sal Abruscato trommelt.

Dann also auf nach Bochum. Der November machte seiner Natur alle Ehre: Es war grau, trüb, trist, kalt, es schüttete wie aus Eimern und es war nur knapp über 0°C. Also Wetter für das Sofa mit Tee und Fernbedienung in der Hand ;) Und genauso fuhren die Leute auch – meinereiner hangelte sich von Stau zu Stau… Gut, dass ich extra zeitig losgefahren war, zumal man die Zeiten für das Konzert auf eine halbe Stunde früher aktualisiert hatte. Sehr löblich, lag mir zunächst auf der Zunge - die Zeche ist ja sonst dafür bekannt, dass man die Vorband vor der Zeit spielen lässt.
Es wurde dennoch knapp, daher keine Zeit für Merch oder Getränke, schliesslich war die Zeche ausverkauft, also musste schnell ein passender Platz nahe der Bühne her.

:: Fotos :: TERRADOWN ::

Es ging auch wirklich auf die Sekunde genau los, aber nicht mit Ugly Kid Joe, sondern mit einer Band namens :: TERRADOWN ::, die man wohl vergessen hatte anzukündigen. Wie auch immer, ich habe jedenfalls noch nie was von dieser Band gehört. Und vermutlich hätte ich sie mir vorher auch nicht angehört, selbst wenn sie erwähnt worden wäre.
Aber, kaum das diese noch junge Formation die Bühne betreten hatte, zerlegten sie selbige auch schon. Melodischer Death & Groove Metal mit nem modernen und frischen Touch. Die jungen Wilden, quasi die neue Generation an Metal Bands. Die Jungs erinnerten mich ein bisschen an schwedische Genrevertreter. Vom Gesang her kam mir Jan-Chris de Koeijer von den legendären Gorefest in den Sinn. Passt ja auch gut, denn TERRADOWN sind auch Holländer ;) Macht gerne mal die Probe aufs Exempel und hört euch Gorefest's Erase neben einem aktuellen Song von TERRADOWN an ;) Verblüffend. Könnte quasi der Sohn sein… Als alter Gorefest-Fan hatten TERRADOWN hier schon gepunktet.
Aber auch sonst können die Jungs was, präsentierten sich ungemein spielfreudig und voller Energie und konnten das Publikum zumindest in Teilen mitreissen.
TERRADOWN
sind seit 2016 unterwegs und haben ihr Debüt Judgement 2020 veröffentlicht, vom dem aber nur ein Song gespielt wurde. Außer Checkmate, von der gleichnamigen EP aus dem Jahr 2023, dürften die restlichen Songs brandneu gewesen sein, da ich sie nirgendwo finden konnte. Ich schätze mal, da gibt es in absehbarer Zeit wohl eine neue Veröffentlichung.
Der Lead-Gitarrist Jasper Verhorst fehlte - Sänger Nick Brouwer sagte auch irgendwas dazu, hab ich aber nicht ganz mitbekommen. Das merkte man auch, denn immer wenn Mark Link (für meinen Geschmack zu viele) Solos spielte, wurde der Sound etwas dünn. Das tat der Show aber keinen Abbruch. Das war ein kurzer aber knackiger Anheizer und hat richtig Spass gemacht!
Meine Empfehlung: TERRADOWN. Hört mal rein :)

Band: Nick Brouwer (vox), Jasper Verhorst (git), Mark Link (git), Joris Koenraadt (bass), Boudewijn Lamper (drums)
Setlist: So Sweet And Cold, Cast The Die, Memories, Checkmate, Nothing To Lose, Accept Your Fate

:: Fotos :: UGLY KID JOE ::

Genauso lange im Geschäft wie Life Of Agony sind :: UGLY KID JOE ::, nur stammen sie von der Westküste. Sie Helden meiner (späten) Jugend zu nennen, wäre übertrieben. Aber natürlich kam man in den 90igern nicht an diese Band vorbei. Die Hits der Kalifornier liefen in jedem Radio und in jedem Tanztempel hoch und runter und haben der Band die eine oder andere Gold- und Platin-Auszeichnung beschert.
Ehrlich gesagt, hatte ich nie Ambitionen mir UGLY KID JOE live anzusehen, noch habe ich die Band musikalisch wirklich verfolgt, von daher war ich schon sehr neugierig und gespannt, wie UGLY KID JOE 35 Jahre später klingen würden. Zumal die Tour-Kombination mit LOA irgendwie… interessant ist. Also musikalisch. Andersherum, hatte Fronter Whitfield Crane ja auch einige Zeit bei Life Of Agony gesungen, nachdem Keith Caputo die Band (nach dem dritten Album) verlassen und UGLY KID JOE sich zu dieser Zeit aufgelöst hatten. Man kann schon sagen, dass auf dieser Tour zwei legendäre Bands, die Musikgeschichte geschrieben haben, zusammen auf der Bühne standen.
In Windeseile (15 min) wurde die Bühne umgebaut, und was ich dann live erleben durfte… hat mich regelrecht umgehauen!
UGLY KID JOE
wurden begeistert vom Publikum empfangen und zockten dann mit einer Energie und Spielfreude, die ich so nicht erwartet hätte. Die Gitarristen Klaus und Dave kamen in kurzen Hosen und Kniestrümpfen auf die Bühne, hopsten und rockten wie Zwanzigjährige, während Sänger Whitfield meist auf einer Monitorbox im Schneidersitz saß oder darauf stand und mit Gestik und diversen Sprüchen die Fans unterhielt.
Nebenbei winkte Whitfield die Fotografen auf die Bühne. Hatte ich erst gar nicht geschnallt. Erwartet ja auch kein Mensch… bzw. Fotograf ;) Und dann hat es auch echt ne Weile gedauert, bis ich mich auf die Bühne getraut hatte, immer mit hilflosem Blick Richtung Secu.... Die grinste nur und zuckte die Schultern… Ich war hin und weg. Was für eine Band! Nein, sowas hatte ich ganz gewiss nicht erwartet.
Musikalisch blieben UGLY KID JOE bei den ersten beiden Alben, bei den Hits sozusagen. Das Zweitwerk Menace To Sobriety feiert ja ebenfalls das 30. Jubiläum. Natürlich wurde Cat's In The Cradle vom Publikum lautstark mitgesungen, ebenso Everything About You, während beim Motörhead Cover Ace Of Spades das Metal-Herz höher schlug.
Der deutschstämmige Klaus Eichstadt versuchte sich in seiner Muttersprache, wobei es ihm das Wort: „Geschwindigkeitsübertretung“ besonders angetan hatte ;) Ich schätze mal aus schmerzvoller Erfahrung? Könnte ich gut verstehen… ;)
UGLY KID JOE spielten leider nur knapp eine Stunde, aber das mit soviel Enthusiasmus, Herzblut und Fannähe, wie man das selten erlebt. Immerhin war das auch schon der vorletzte Tourtag nach knapp 3 Wochen on the road!
Ich muss sagen, UGLY KID JOE haben mich nicht nur absolut begeistert, sondern mich auch zutiefst beeindruckt! Danke für diese grandiose Show!

Band: Whitfield Crane (vox), Klaus Eichstadt (git), Dave Fortman (git), Cordell Crockett (bass), Shannon Larkin (drums)
Setlist: V.I.P., Neighbor, Panhandlin' Prince, C.U.S.T., No One Survives, Devil's Paradise, Cat's In The Cradle, I'm Alright, Milkman's Son, Ace Of Spades, Everything About You

:: Fotos :: LIFE OF AGONY ::

Ugly, das Zweitwerk, dass so ganz anders klingt, wie das Debüt und den New Yorkern quasi den Durchbruch und die ersten Chartpositionen bescherte. Zugegeben, ich liebe das Debüt River Runs Red und empfand das Zweitwerk seinerzeit eher Gothic-lastig, mit deutlichem Type O Einschlag und hab über den einsetzenden Hype nur den Kopf geschüttelt. Aber das ist eine andere Geschichte ;)
Die Setliste ergab sich von selbst, denn es war ja angekündigt worden, dass Ugly komplett gespielt werden würde. Kurz nach neun enterten :: LIFE OF AGONY :: dann die Bühne und wurden frenetisch empfangen. Es war wirklich schön zu sehen, wie die Bandmitglieder Leute im Publikum (wieder)erkannten und sie begrüßten, bevor die Band mit Seasons einstieg.
Wer nun glaubte, dass nach zwei vor Energie übersprudelnden Bands die Luft beim Publikum raus sein könnte… NEIN! Weit gefehlt. LIFE OF AGONY legten sogar noch ein Schippchen drauf.
Keith Caputo ist ja von Natur aus ein Energiebündel, steht zu keiner Zeit auch nur eine Millisekunde still und wirbelte permanent über die Bühne. Sein Cousin Joey Z. stand ihm da kein bisschen nach – die Grimassen kann er aber besser, und Alan Robert am Bass agierte auf der Bühne wie ein Berserker. Was für eine Energie! Es dauerte gar nicht lange, da purzelten die ersten Crowdsurfer in den Fotograben, zur Überraschung der Security. Keith hatte da ein Auge drauf, bedankte sich immer wieder bei der Secu und sagte den Fans, dass sie aufeinander achtgeben sollten, damit nichts passiert. Auch sonst gab es immer wieder Statements von Keith, lieb zueinander zu sein, Frauen zu achten und sich nicht in Hass und Diskriminierung zu verlieren.
Keith suchte immer wieder den Kontakt zu den Fans, klatschte die erste Reihe ab oder neckte den Typen von der Secu. Die Stimmung war fantastisch, regelrecht ausgelassen, die Fans tanzten, moshten und rockten. Jeder Song wurde frenetisch begrüßt und mitgesungen. Auch sowas wie (kleine) Circle Pits waren auszumachen.
Am Ende von Ugly angekommen, gibt es bekanntermaßen das Simple Minds Cover Don't You (Forget About Me) – auch das fehlte nicht. Flux holte sich Keith Caputo ein Keyboard auf die Bühne und dann gab es eine etwas rockigere Version des Songs, der – selbstredend – lautstark von jedermann mitgesungen wurde. Geil!
Ohne Pause oder den üblichen Zugabe-Quatsch ging es weiter, und zwar mit einer weiteren Überraschung. Denn nun stand auch wieder Whitfield Crane auf der Bühne und sang mit Keith River Runs Red vom Debüt. Wie ich später las, gab es diese Performance erstmalig am Tag zuvor in Utrecht. Gänsehaut Moment, würde ich sagen. Hier schloß sich ein Kreis und die Fans flippten aus.
Es gab noch zwei weitere Stücke vom Debüt, bevor sich LIFE OF AGONY herzlich vom Publikum verabschiedeten und die Lichter in der Zeche angingen und die Fans raus in den Regen geschickt wurden.
Was für ein großartiger Abend mit fantastischen Bands und grandiosen Shows, die zumindest bei mir auf die Bestenliste kommen.

Band: Keith Caputo (vox), Joey Z. (Zampella git), Alan Robert (bass), Veronica Bellino (drums)
Setlist: Seasons, I Regret, Lost At 22, Other Side Of The River, Let's Pretend, Ugly, Drained, How It Would Be, Unstable, Damned If I Do, Fears, Don't You (Forget About Me), River Runs Red, Through And Through, Underground

Vielen Dank an :: Prime Entertainment :: für die Presse-Akkreditierung :)

story & pics © Dajana & Dajana Winkel • Photography