ARCKANUM – ÞÞÞÞÞÞÞÞÞÞÞ

 
Label: Debemur Morti Productions
Release: 29.05.2009
Von: Bulletrider
Punkte: 8.5/10
Time: 50:02
Stil: Black Metal
URL: Arckanum
 
Mit ÞÞÞÞÞÞÞÞÞÞÞ (die Rune Þ ist abgeleitet von einem germanischen Wort für Riesen (Thursen)) liegt relativ zügig nach dem 2008 erschienen "Antikosmos" ein neues ARCKANUM Album auf dem Tisch. Laut Homepage handelt es sich bei ÞÞÞÞÞÞÞÞÞÞÞ um den "Soundtrack To Wintry Death Of The Worlds". Ich bin gespannt, setze die Kopfhörer auf und begebe mich auf eine erneute Reise in die seltsame und fremdartige Welt ARCKANUMs. Textlich beschreitet man weiterhin die wirren Pfade der Chaos-Gnostik, vermischt mit dem zerstörerischen Aspekt des nordischen Riesen Þjazi. Der altschwedischen Sprache nicht mächtig (seltsam, was?) dient diese wage Beschreibung als Background, welcher der dargebotenen Musik sozusagen das passende Korsett verleiht. Ohne dies würde ein wichtiges Element des Gesamtkonzepts ARCKANUMs verloren gehen. Ein Konzept, das allerdings in erster Linie von der Musik mit Leben gefüllt werden muss.
Und das tut sie wahrhaftig. Bereits mit den ersten Klängen wird der Hörer in einen Strudel musikalischen Chaos und Wahnsinn hineingezogen und nicht wieder losgelassen. Wobei hier direkt angemerkt sei, das Chaos nicht mit Unhörbarkeit gleichzusetzen ist. Vielmehr sind es die Bilder, die die Musik vor dem geistigen Auge entstehen lässt. Wo man mit ARCKANUM in den Anfangstagen der 90er sozusagen durch finstere Wälder stapfte, wird man hier in kosmische Schneestürme geschleudert, rast durch finstere, unheilvolle Dimensionen. Spärlich gesäte, aber ideal platzierte Breaks lassen den Hörer immer wieder für einen kurzen Augenblick verschnaufen, ihn einen Blick in das trotz der Kälte pulsierende, lebendige Chaos werfen.
Möglich machen ARCKANUM diese Reise durch den Einsatz von aggressiv sägenden und mitreißenden Riffs klassisch nordischer Prägung, fixem Drums und wahrhaft hasserfüllten, wütenden Vocals. Dazu gesellen sich die erwähnten Verschnaufpausen in Form von mal schwer schleppenden, mal unerwartet melodischen Parts. ARCKANUM erzeugen auf ÞÞÞÞÞÞÞÞÞÞÞ eine so ungemein dichte Atmosphäre, dass es eine wahre Freude ist. Selten war das Chaos und die Finsternis so greifbar und so widersprüchlicherweise so lebendig.
Bereits der erste Track Þórhati ist eine über den Hörer hereinbrechende Hymne eiskalten Hasses. Die Folgetracks preschen in ähnlicher Weise vorwärts bis einem dann mit Þursvitnir und Þjóbaugvittr wahrhaft hypnotische rau-melodische Black Metal Meisterwerke um die Ohren gehauen werden. Unterbrochen werden diese beiden Tracks von einem eher befremdlich wirkenden Instrumentalstück, welches meiner Meinung nach etwas deplaziert wirkt. Ebenso wie das anschließende Þjazagaldr, welches eine Art Intro für das verzerrte, fast schon dronige Þá Kómu Niflstormum bildet... Diese beiden Tracks tragen zwar einiges zur Atmosphäre des Gesamtkonzepts bei, schlagen aber musikalisch einen deutlich anderen Ton an, welche mir persönlich am Enden des Albums deutlich besser gefallen hätten. Andererseits ist dafür jedoch die Freude über die folgende, geniale Mid-Tempo Hymne Þrú­kyn umso größer, welche mit zwei weiteren Tracks, die in die Kerbe der Anfangssongs schlagen und den Hörer schließlich erschöpft in den Sessel sinken lassen.
ÞÞÞÞÞÞÞÞÞÞÞ ist nach langer Zeit endlich mal wieder ein Black Metal Album, welches mich richtig gepackt hat. Bis auf die drei für mich deplaziert wirkenden Tracks packt ÞÞÞÞÞÞÞÞÞÞÞ den Hörer und lässt ihn nicht mehr los. Freunde rauen aber dennoch druckvollen Black Metals alter Schule (wer’s braucht - als bekannteres Beispiel führe ich mal Ulvers Nattens Madrigal und DarkThrones Panzerfaust auf) werden hier eine Menge zu entdecken haben. Wild, finster und einfach großartig!