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2026-05-23 DE – Gelsenkirchen - Amphitheater
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Paradise Lost - Dark Tranquillity - Slime - Hällas - Hirax - Ambush - Wytch Hazel - The Great Sea

Ihr seid doch alle Satanisten, oder? [Slime]

[Psycho] Mist, es ist immer noch total heiß. Von den Temperaturen her sollte das auch der härteste Tag werden. Den Wetterbedingungen und sicher auch der frühen Uhrzeit geschuldet war es noch ganz schön leer im Rund. Immerhin versammelten sich von den wenigen Anwesenden relativ viele vor der Bühne - da war nämlich Schatten…

[Sui] Stimmt, von der Tribüne aus gesehen, ging ein deutlicher Linksruck durchs Publikum, weil es dem Schatten folgte. Allerdings fand ich die Hitze nicht so schlimm wie befürchtet, da die Luft sehr trocken war, und die Kehlen ließen sich ja mit diversen Kaltgetränken anfeuchten.

[Dajana] Am Morgen fand ich es noch angenehm frisch. Ein wunderbarer Sommertag. Am Nachmittag ging selbst bei mir der Blutdruck in die Knie. Das erste Festival, bei dem ich konsequent nen Hut aufhatte…

:: Fotos :: THE GREAT SEA ::

[Dirk] :: THE GREAT SEA :: hatten mich auf Scheibe nicht abgeholt, weswegen ich erst leicht verspätet im Rund eintraf, um mir dann aber doch wenigstens ein paar Songs live anzuhören. Leider kann ich nicht so viel zu dem Gig sagen, außer dass meine Aufmerksamkeit eher bei Gesprächen über den vorherigen Festival-Tag hängengeblieben ist. Mag aber auch einfach daran gelegen haben, dass ich so einen geilen Tag hatte.
[Seb] Die einzige (sort-of) Black Metal Band ausgerechnet zum höchsten Stand der Sonne spielen zu lassen ist schon irgendwie gemein ;) Ich musste ein wenig auf meine Gesundheit Rücksicht nehmen, und bei aller Liebe zum Genre hat das Debüt Album, Noble Art Of Desolation, mich wie schon meinen Vorredner nicht hinreichend beeindruckt (zu viel “Geplänkel” und Längen) um dafür schon vormittags los zu dackeln. Ein anderes Mal…
[Psycho] Das Debüt fand ich ok, allerdings plätscherte es auch ein wenig vor sich hin. Live gefiel mir das viel besser, der Sound war kompakt und erinnerte an das langsame und doch stetige Anbranden der Wellen. So war der Beginn des 2. Festivaltages entspannend wie ein Tag am Meer und zugleich tief wie die See…
[Dajana] Eismeer wäre schöner gewesen. Gerade zur Mittagszeit knallte die Sonne mit 31°C ordentlich in das Amphitheater rein…
[Sui] Doomig angehauchter Black Metal, heavy und wuchtig mit Vocals, die ich gar nicht mal so schlimm fand. THE GREAT SEA wären eine interessante Wahl als Opener gewesen, wenn da nicht gehörig Vitamin B im Spiel gewesen wäre. Dessen ungeachtet abgesehen von ein paar Längen eine überzeugende Leistung. Geht ja gut los.
[BRT] Passt alles was die Kollegen zu THE GREAT SEA zu sagen haben. Für Black Metal etwas zu viel Wohlklang, auf Platte vermutlich etwas zu glatt und an manchen Stellen auch etwas zu gemächlich. Der Midtempo-Stampfer am Ende war auf jeden Fall der stärkste Song, der dazu auch noch richtig Biss hatte. Werde der Platte auf jeden Fall mal eine Chance geben.
[Dajana] Zu erwähnen wäre noch, dass sich das Duo um Hacky und Janosch live mit den Secrets Of The Moon Leuten verstärkt hatte (demnächst auf dem Prophecy live zu sehen). Selbst Thrawn Thelemnar war anwesend (aber nicht hinter den Drums ;)). Und ich fand auch das Familiäre schön, den Janosch hatte z.B. seine Frau und seine Jungs dabei :)
Band: H (git), JR (drums), sG (vox), Kevin Olasz (git), D (bass)
Setlist: Upright In Nothing, Eden Unfolded, No Peace Among Men, The Maze, Walking At The Edge Of Death

:: Fotos :: WYTCH HAZEL ::

[Dirk] Sie sahen schon drollig aus mit ihren Elfenstiefeln, Umhängen und weißen beziehungsweise goldenen Leggins. Das mögen einige peinlich finden, ist aber bei nüchterner Betrachtung auch nicht peinlicher als das, was so mancher Black Metal Act aus der Klamottenkiste zieht, nur dass Okkultes halt deutlich cooler aussieht. Als Fan enger Hosen werfe ich jedenfalls nicht den ersten Stein. Wie auch immer, es geht ja eigentlich um die Musik, und :: WYTCH HAZEL :: sind mir eine Herzensangelegenheit seit ihrem starken Pentecost-Album (ach, das war ein Albumtitel? Als ich deren Patches mit der Aufschrift gesehen hatte, dachte ich die hätten die extra wegen Pfingsten gemacht, haha - Seb), von dem sie dann auch reichlich in ihre Setlist aufgenommen hatten. Mit Songs wie I Am Redeemed, Archangel und vor allem Dry Bones wusste die Band auch live jede Menge positive Energie zu verbreiten. Und wer sich gefragt hat, ob Colin Hendra seine hohen Schreie wie beispielsweise im Chorus von Dry Bones auch live rüberbringen kann - er kann! Und zwar in genau der Qualität wie auf Scheibe, was übrigens auch für seine Bandkollegen gilt.
[Psycho] Tja, meine Teetasse war das nicht. Die Jungs sahen nicht nur sehr sauber aus, sondern ihre Mucke ist mir einfach zu nett und die Melodien zu niedlich. Live klang das dann auch nicht knackiger als auf Platte. Klar, sind alles gute Musiker, aber das hat mich mal so gar nicht abgeholt. War aber auch vielleicht einfach zu heiß…
[BRT] Fühlte sich da nicht jemand spirituell an den Hintern gepackt?
[Sui] Jepp, das war ich. Ich hab’s halt nicht so mit Christentum, vor allem, wenn er genauso dick aufgetragen ist wie der Satanismus bei einigen Black Metal Bands. Da ich Outfits, Bühnendeko, Musik und Texte als Gesamtkunstwerk betrachte, hinterließ das bei mir schon mal einen zwiespältigen Eindruck. Musikalisch ging es erstmal etwas behäbig und konventionell los. Besser, abwechslungsreicher und spannender wurde es, als die ersten Songs des neuen Albums V: Lamentations ertönten. Unterm Strich also doch gar nicht übel, zumal sich hier bereits die Rückkehr der 70er-Jahre-Klamotten ankündigte.
[BRT] WYTCH HAZEL predigen nicht, daher ist mir ihr Glauben relativ egal. Fakt ist, dass sie tolle Platten und Songs haben und es schaffen eine ganze Menge positiver Energie zu verbreiten. Der Gig auf der großen Bühne war toll, aber leider nicht ganz so famos wie im Club. Trotzdem, tolle Band, geiler Sound und ein bisschen zu früh im Billing.
Band: Colin Hendra (vox, git), Alex Haslam (git), Andy Shackleton (bass), Aaron Hay (drums)
Setlist: I Am Redeemed, Still We Fight, Dry Bones, Archangel, The Citadel, Run The Race, Elements, Spirit And Fire, Healing Power

:: Fotos :: AMBUSH ::

[Psycho] Haben die Priest-Recken alle uneheliche Kinder in Schweden? :: AMBUSH :: gaben sich jedenfalls alle Mühe, den großen Vorbildern nachzueifern, leider gelang das nur optisch (weil unterhaltsame Show mit viel True-Metal-Gepose), aber es fehlte an guten eigenen Songs.
[Sui] Mal wieder eine True Metal Band aus Schweden. Gähn. AMBUSH waren weder besser noch schlechter als frühere Protagonisten dieses Genres. Alles kompetent und mit viel Elan vorgetragen, aber eben auch austauschbar und wirklich nichts Neues. Nervig war allerdings der Gesang, der immer wieder in die Rob-Halford-zerspringende-Gläser-Gefilde stieg, ohne allerdings die Rob-Halford-Klasse zu haben.
[Dajana] Zwischen Wytch Hazel und Hällas (todlangweilig…gähn) fand ich AMBUSH äußerst erfrischend…
Band: Oskar Jacobsson (vox), Olof Engkvist (git), Karl Dotzek (git), Oskar Andersson (bass), Linus Fritzson (drums)
Setlist: Evil In All Dimensions, Maskirövka, Possessed By Evil, Heading East, Hellbiter, Firestorm, I Fear The Blood, Desecrator, Natural Born K(thr)illers, Don't Shoot (Let 'em Burn)

:: Fotos :: HIRAX ::

[Psycho] Die Kalifornier hatten richtig Bock, und das merkte man von Anfang an. Anmoderiert von Andy Brings, der sich als Fan der ersten Stunde entpuppte, machten :: HIRAX :: keine Gefangenen. Das ganze Set war hektisch, chaotisch, brutal, ein totales Gemetzel. Mittendrin in der Schar seiner (vermeintlichen) Enkel ein scheinbar altersloser Katon W. de Peña, der die Bühne permanent beackerte, die ausrastenden Fans anfeuerte und wie nebenbei noch richtig gut sang. Als wäre 1985 erst gestern gewesen… Abwechslung gab es dabei aber nicht, sondern nur schnelle Songs, schnell gespielt. Dazu passte auch Katons Spruch des Tages: “What time ist left? 20 Minutes? Ok, time for 20 more songs!” Die haben sie zwar dann nicht mehr alle untergebracht, aber fast. Gegen Ende verirrten sich die Musiker (bis auf den Drummer natürlich) noch in den Fotograben und spielten einfach da weiter. Eben ganz nah bei den Fans, die zurecht komplett ausrasteten. Für zu Hause wäre (und ist) mir die Mucke zu eindimensional, aber als Live-Thrash-Vollbedienung kam das echt geil.
[Sui] HIRAX und Katon W. de Peña sind fast synonym. Die anderen Musiker waren nicht minder motiviert, aber alle Augen galten dem 63-jährigen “Diablo Negro”. 16 Songs in 55 Minuten sind rekordverdächtig. Der Derwisch war nicht nur motiviert bis in die grauen Haarspitzen, sondern auch exzellent bei Stimme (und sowas von fit, da träumt manch 30-jähriger von – Dajana). Musikalisch war es ein totales Thrash-Gemetzel ohne große Abwechslung, Tempowechsel oder Schmankerl, was auch offenbart, warum HIRAX es nie in die erste Liga geschafft haben. Live ist es ein Riesenspaß, aber musikalisch eben kein Highlight. Immerhin hat Mr. Sui sich endlich mal wieder in den Mosh Pit geworfen und sich seine blauen Flecken abgeholt.
[BRT] Thrash Metal und ich haben es in den letzten Jahren nicht so miteinander. Zumindest auf Platte langweilt mich da fast alles. HIRAX zeigten aber, speziell in Person von dem Berufsirren Katon, was ‘ne amtliche Live-Show ist und wie man mal eben alle anwesenden Leute mitreißt. Würde das schon fast als spektakulär bezeichnen, hier stimmte alles, vom Gesang bis zur Spielfreude.
Band: Katon W. de Peña (vox), Geremi Perez (git), Allan Chan (bass), Matthew Morales (drums)
Setlist: Hellion Rising, Blind Faith, Drill Into The Brain, Warlord's Command, The Plague, Black Smoke, Faster Than Death, Lightning Thunder, Hate, Fear And Power, Drowned Bodies, Hostile Territory, Vigilante, Destroy, El Diablo Negro, Bombs Of Death (mit Andy Brings als Gast-Gitarrist)

:: Fotos :: HÄLLAS ::

[Psycho] Meine Bewunderung an die Musiker, bei der Hitze in den Kostümen aufzutreten. Dagegen waren Wytch Hazel so freizügig gekleidet wie die Hauptdarsteller in einem Evangelikalen-Porno. Das wars aber auch schon, denn geboten wurde nur langweiliger 70s Rock mit teilweise arg schwächelndem Gesang. Keine Ahnung, warum die Band gerade so angesagt ist.
[Seb] Wie die Geschmäcker so auseinanderdriften, hehe… ich fand die Band verglichen mit einigen anderen Kapellen gesanglich ziemlich gut zu ertragen!
[Sui] 70er-Jahre-Outfits, die 2te: Ich fand :: HÄLLAS :: gar nicht so übel, man muss allerdings 70er Jahre Hard Rock mit Prog-Einschlag mögen. Anleihen bei Yes oder Wishbone Ash waren unverkennbar, HÄLLAS sind aber deutlich heavier als die Prog-Helden von damals. Gute Musiker sind es allemal.
[Dirk] Mein übliches Jagdrevier ist progressives 70er-Gedüdel ebenfalls nicht. Auf vielerlei Empfehlung angehört, ging mir das aktuelle Album Panorama allerdings doch ganz gut runter. Sie erfinden das Rad nicht neu, bewegen sich jedoch in ihrem Musikstil sehr versiert. Wie auch auf dem Album ließen mich einige Parts unweigerlich aufhorchen. Für ein echtes Live-Feuerwerk sind die Songs einfach zu verspielt. Stattdessen boten HÄLLAS zwischen Hirax und Slime Abwechselung zum Runterkommen und stellenweise zum Genießen.
[BRT] Von Gedudel sind HÄLLAS ja mal Lichtjahre entfernt, denn bei aller Progressivität spielen sie immer noch Songs mit Hand, Fuß und Refrain, ohne großartig auszuufern. Rocken tuen sie ja auch, wenn auch etwas subtiler. Songs wie Star Rider musst du auch erst einmal schreiben! Wishbone Ash ja, Yes weniger, eher finde ich da eher Uriah Heep in dem Sound wieder. Eine etwas chilligere Band im Billing finde ich aber immer wieder begrüßenswert. Für mich war ihr Auftritt eines der Highlights des diesjährigen ROCK HARD FESTIVALs und ärgere mich etwas, dass ich die Band auf der letzten Tour verpasst habe.
[Dajana] Im Oktober sind sie wieder auf Tour… ;)
Band: Tommy Alexandersson (vox, bass), Richard Swahn (git), Marcus Petersson (git), Kasper Eriksson (drums), Nicklas Malmqvist (keys)
Setlist:

:: Fotos :: SLIME ::

[Dirk] Ohne großartige Vorbildung dafür mit umso mehr Spannung hab ich diesen Auftritt erwartet, den ich bei erster Sichtung der Running Order seinerzeit etwas zu spät angesetzt fand. Doch :: SLIME :: wussten sowohl spielerisch als auch als Frontsäue zu begeistern, und wer so viel positive Resonanz beim Publikum erzeugt, steht dann auch zu Recht an drittletzter Position. Im Moshpit ging es ordentlich zur Sache und ich hab mir vorgenommen, noch ehe die blauen Flecken wieder weg sind, in die Alben reinhören. Vielen Dank für diese Überraschung und schöne Grüße von einem linken Spießer!
[Seb] Hattest Du es überhört? Anwesende waren doch explizit von der Bezeichnung “linke Spießer” ausgenommen, “[…] denn sonst wärt ihr ja nicht hier!” ;-)
[Dirk] Tatsächlich ja. Ich hatte mir im Nachgang sicherheitshalber den Text durchgelesen und das Gefühl, dass ich mit gemeint bin. Aber das ist schon okay.
[Psycho] Textlich waren die in der Tat super, ebenso wie die Ansagen. Zusammen mit den lautstarken Antifaschista-Sprechchören zwischendurch aus dem Publikum dämmerte es da vielleicht auch mal dem einen oder anderen RH-Redakteur, dass man z.B. den Onkelz oder anderem rechten Dreck keinen Raum lassen sollte. Musikalisch fand ich es hingegen überraschend mainstreamig und vorhersagbar. Von aufrührerischem Punk Rock keine Spur. Hat da jemand Tote Hose(n) gesagt?
[BRT] Nein, hat niemand… Wo hast Du denn da die Hosen raus gehört? Nur weil Punk auch mal Melodie und große Geste kann? So weichgespült wie die Düsseldorfer klangen SLIME bei weitem nicht. SLIME haben richtig Laune gemacht, ein paar sehr geile Ohrwürmer rausgehauen und für prächtige Unterhaltung gesorgt. Textlich waren sie dazu auch noch in der richtigen Stadt, Gelsenkirchen, ich hoffe Du hast zugehört.
[Sui] Den obligatorischen Punk-Slot besetzten dieses Jahr die Deutschpunk-Klassiker SLIME. Eine gute Wahl, denn die explizit linke Band nahm kein Blatt vor den Mund und hatte einiges zu sagen. Klasse Texte, teilweise schmerzhaft ehrlich, aber auch der Humor kam nicht zu kurz. Musikalisch ist Punk eh keine Offenbarung. Aus meiner Sicht waren sie überraschend heavy, schön schnörkellos und vom Mainstream der Toten Hosen doch deutlich unterscheidbar.
[Seb] Acht Jahre ist es her, dass ich SLIME zuletzt in Essen auf dem Turock Open Air (RIP) sah, damals natürlich noch mit dem de-facto-Originalsänger. Dass die Band beim RHF ein wenig aus dem gewohnten Rahmen fiel war ihnen natürlich bewusst und wurde immer mal wieder mit einigen Gags verdeutlicht (“Wir sind die die mit dem kurzen Bus gekommen sind” und “ihr seid doch alles Satanisten, oder?”), aber Sorgen machen mussten sie sich eigentlich nicht: Ich habe fast noch nie ein Metal-Festival erlebt, auf dem (echte) Punk-Bands unfreundlich aufgenommen wurden. Umgekehrt kann man sich dessen eher weniger sicher sein, allerdings gibt es sicher auch weniger Fans, die vom Metal zum Punk gelangen als andersherum (ich hab z.B. aus Zeiten wo ich mindestens auch Punk hörte noch die ersten Alben im Regal, irgendwann 6. Klasse oder so…).
Der neue Frontmann Tex Brasket machte seine Sache ziemlich gut, eine sehr energiegeladene Vorstellung nicht nur von ihm. Bei den alten Klassikern wurde mir schon das eine oder andere Mal nostalgisch, aber auch neuere Stücke, in denen Tex seine Erfahrungen als Obdachloser und Straßenmusiker (die Band hat ihn sozusagen direkt “von der Straße” verpflichtet) aufarbeitet: nach dem Weggang von Dirk Jora zeichnet der “Neuling” hauptverantwortlich für die Texte der beiden seither erschienenen SLIME-Alben. Die Kritik von Kollege Psycho kann ich zu einem kleinen Teil, sprich beim neuen Material nachvollziehen: das ist zum Teil schon deutlich massentauglicher und eingängiger als die subversiven alten “Hits”, andernfalls hätte man wohl auch zuletzt nicht die bisher mit Abstand höchste Chart-Plazierung der Bandgeschichte erreicht. Aber im großen und ganzen ändert das nichts an einem sehr gelungenen Auftritt, der eine ganze Reihe der Metal-Bands des RHF 2026 in den Schatten stellte.
[Dajana] Bezeichnend fand ich, dass im Vorfeld Bedenken zu hören waren, ob es bei dieser Show nun (linke) Tumulte geben würde und ob vermummte Antifa-Leute das Amphitheater "aufmischen" und für Ärger sorgen würde…
Band: Tex Brasket (vox), Michael „Elf“ Mayer (git), Christian Mevs (git), Nicole "Nici" Perkovic (bass), Alex Schwers (drums)
Setlist: Komm schon klar, Armes Deutschland, Alle gegen alle, Wer du bist, Sie wollen wieder schiessen (dürfen), Lieben müssen, Alptraum, Evolution, Weil fickt euch alle, Schweineherbst, Monster, Linke Spießer, Störtebeker, Sein wie die, Religion

:: Fotos :: DARK TRANQUILITY ::

[Dirk] "Yeah, Melo-Death, jetzt kann ich mal was Essen gehen!", dachte ich mir, als :: DARK TRANQUILITY :: dran waren. Gesättigt und zufrieden zurückgekehrt, war ich dann allerdings doch ganz angetan von der Truppe. Ein gutgelaunter Mikael Stanne sammelte durch seine natürliche Art Sympathiepunkte und auch der Rest gab das Bild einer astreinen Live-Band ab. Nicht, dass ich mir das jetzt dringend auf Scheibe anhören müsste, aber das nächste Mal werde ich mir das Set komplett ansehen.
[Sui] Melodic Death Metal à la DARK TRANQUILITY ist nicht so meins: Klingt ein bisschen wie der Wunsch, extrem zu sein, aber bitte nicht zu extrem. Musikalisch gab es nix auszusetzen. Die clean gesungenen Passagen waren mir dann allerdings zu melodisch. Klar, von dem Kontrast zwischen Blast Beats und Melancholie lebt die Musik der Schweden. Und überzeugend war die Leistung allemal.
[BRT] Joah, wie zu erwarten waren DARK TRANQUILITY wieder einmal schön rund und perfekt, guter Sound und so… Berührten mich aber wie immer absolut nicht. Sorry, wir werden keine Freunde mehr.
[Dajana] Mich berührten sie um so mehr :) Ich mag die Schweden, hatte sie allerdings in den letzten Jahren aus den Augen und Ohren verloren und war erstmal baff, wie sehr sich das Line-Up verändert hat. Aber, die Jungs haben sich zusammengerauft und harmonisieren auf der Bühne. Mikael grinste wie ein Honigkuchenpferd und versprühte so viel gute Laune, dass das echt ansteckend war. Und als dann auch noch Songs von meinem Lieblingsalbum Projector kamen, war ich happy :)
[Seb] Ich möchte noch einen kurzen abschließenden Gedanken hinzufügen: Eine weitere Band, die ich gerne live sehe, obwohl ich sie schon seit vielen, vielen Jahren nicht mehr auf der Bühne gesehen habe. „Extrem, aber nicht zu extrem“ fasst es ziemlich gut zusammen, aber gerade wenn es um RHF geht, bin ich immer für etwas Heftigeres zu haben ;)
Band: Mikael Stanne (vox), Johan Reinholdz (git), Peter Lyse Karmark (git), Christian Jansson (bass), Joakim Strandberg-Nilsson (drums), Martin Brändström (keys)
Setlist: The Wonders At Your Feet, Hours Passed In Exile, Unforgivable, Atoma, Nothing To No One, The Emptiness From Which I Fed, The New Build, Cathode Ray Sunshine, Terminus (Where Death Is Most Alive), Not Nothing, Punish My Heaven, Lost To Apathy, ThereIn, Misery's Crown

:: Fotos :: PARADISE LOST ::

[Psycho] Die Briten sind ja live immer ‘ne Wundertüte. Kann gut sein, ist es aber häufig nicht. Aber heuer wirkte das neue Album anscheinend wie der x-te Frühling: so gut waren :: PARADISE LOST :: live seit Jahren nicht mehr. Unterstützt von einer massiven Wall of Sound wurden so geschmackssicher einige neue und viele alte Songs mit Urgewalt in die Menge gedrückt. Nick Holmes sang (für seine Verhältnisse) unfassbar gut, wenn auch mit etwas Unterstützung aus der Konserve. Somit ein fast perfekter Auftritt, lediglich True Belief hätte ich gerne als Zugabe gehört. Zeit wäre noch gewesen, aber anscheinend wollte der Veranstalter das Rund überpünktlich leer kriegen. Schade.
[Sui] PARADISE LOST sollten dagegen genau mein Ding sein: Düstere Schwere, rockige Einschläge, eine kräftige Prise Melancholie, so ein bisschen Dark Tranquillity in slow und heavy. Und der Auftritt war wirklich nicht schlecht. Für mich war es aber dann musikalisch zu eintönig, um 1,5 Stunden zu füllen. Die gefühlt meisten Songs hatten lange Passagen mit durchgehenden Achtelnoten, zu wenige prägnante Riffs für meinen Geschmack. Und die Bühnenpräsenz war so lala.
[Dirk] Schon vieles hatte ich von schlechten Leistungen der Band auf Festivals aus berufenem Munde gehört, aber da ich von PARADISE LOST erst kürzlich einen nahezu perfekten Gig in der Kölner Live Music Hall gesehen hatte, war ich optimistisch, dass es diesmal anders kommen würde. Und sie enttäuschten nicht: Mit der unsterblichen Melodie von Serpent On The Cross und seinem gewohnt grandiosen Ton eröffnete Greg Mackintosh einen Gig, der aus meiner Sicht (fast) nichts zu wünschen übrig liess. Starke Songauswahl, bester Sound, ein Nick Holmes, der sicher durch alle Gesangstile der vielen Schaffensperioden springt. Okay, die Ansagen könnten mitreißender sein, aber so ist er halt, besser als den Entertainer zu künsteln. Meine Highlights neben dem Opener waren As I Die, Ghosts und Salvation, der eigentlich als überaus schleppende Nummer keine naheliegende Wahl für ein Live-Set ist, aber unheimlich heavy rüberkam! In dieser Form sind PARADISE LOST absolut empfehlenswert!
[Seb] PARADISE LOST haben sowohl das Potential mich zu erfreuen (wenn sie nahezu ausschließlich uraltes Material spielen) oder zu verjagen (wenn sie das spielen, wofür die Selfie-machenden Gothic-Mädels scharenweise in der Bahn saßen…)
[BRT] Bester Gig von PARADISE LOST seit 35 Jahren, change my mind. Dass die britischen Herrschaften gute Songs haben, daran zweifelt ja niemand, aber gerade diese Qualitäten auf die Bühne zu bekommen, dabei guten Gesang und gestimmte Gitarren zu bieten, das hat in den letzten Jahren viel zu selten stattgefunden. Sympathischer Aktivposten mal wieder Aaron Aedy.
P.S. Nick Holmes hat ja doch britischen Humor, warum bekommen wir so wenig davon geboten? Ansonsten top, tatsächlich Werbung dafür sich mal mit der Spätphase der Band zu beschäftigen.
[Dajana] Jap, bester PARADISE LOST Gig seit Ewigkeiten und würdige Headliner-Show!
Aber Greg Mackintosh macht mir, auch wenn er selbst abwiegelt, schon Sorgen auch wenn er selbst abwiegelt und man fragt sich unweigerlich, ob ihm das alles noch guttut. Ich wünsche ihm jedenfalls das Allerbeste!
Band: Nick Holmes (vox), Greg Mackintosh (git), Aaron Aedy (git), Steve Edmondson (bass), Jeff Singer (drums)
Setlist: Serpent On The Cross, Tragic Idol, Embers Fire, Gothic, The Last Time, Faith Divides Us - Death Unites Us, As I Die, Salvation, Pity The Sadness, Tyrants Serenade, Requiem, Once Solemn, Say Just Words, No Celebration, Ghosts, Silence Like The Grave

[Dajana] Und damit geht auch der zweite Festivaltag zu ende. Die Fans freuen sich über die angenehme Abkühlung und würden gerne noch bleiben, aber die Secu "kehrt" uns gnadenlos raus… Für's Partyzelt fehlt uns allerdings die Energie. Wir sind schließlich schon alt… ;)

Freitag
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Stories • BRT, Sui, Psycho, Dirk, Seb, Dajana • Pics © Dajana & Dajana Winkel • Photography