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2026-05-24 DE – Gelsenkirchen - Amphitheater
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Saxon - Mikkey Dee - Uli John Roth - Lucifer - Gus G. & Ronnie Romero - Nailed To Obscurity - The Neptune Power Federation - Smorrah

Jaaa, man

[Psycho] Hautkrebs-Tag der III. Wie fast jedes Jahr habe ich mir auch diesmal wieder gedacht, ob es wirklich immer schon eine Band um (kurz nach) 12 geben muss. Würden wir nicht alle lieber eine Stunde mehr schlafen?

[Sui] Uneingeschränkt: Jaa, Mann!

:: Fotos :: SMORRAH ::

[Dirk] Tja, :: SMORRAH :: hab ich leider zugunsten eines Rotting Christ-Stouts und einer Grill-Einladung bis auf die letzten paar Töne verpasst. Jeder weiß, dass es eine schlechte Idee ist, Käse-Griller zu schnell zu essen. Das ist keine gute Entschuldigung, aber die Einzige, die ich anbieten kann.
[Psycho] Wenn es dich beruhigt: Du hast die Zeit auf jeden Fall sinnvoller verbracht (und mal wieder was fürs Leben gelernt…). SMORRAH aus Gelsenkirchen stehen sonst beim RHF gerne vor der Bühne, durften heute aber mal selber darauf stehen. Musikalisch gab es Rumpel-Thrash der vorhersehbaren Sorte, den heute keiner mehr braucht. Was für den Eigenbedarf völlig ok ist… Wurden die jetzt eingeladen, weil sie noch ein paar Kumpels mitgebracht hatten, oder weil sie die RH-Redakteure mittags immer in der Döner-Bude treffen?
[Sui] Den Opener-Slot für den letzten Tag füllten SMORRAH nur bedingt aus. Musikalisch war es Boller-Thrash à la Sodom, aber eben ohne deren Standing und deren Klassiker. Die Ansagen des Sängers Marius waren da noch das Unterhaltsamste und kulminierten in einem etwas hilflosen “Jaa, Mann!”. Immerhin hatten sie ein gestandenes Urgestein des Ruhrpott-Thrash an Bord, nämlich den Ex-Kreator-Basser Speesy, dessen wirklich geiler Basssound allerdings dann entsprechend zu weit nach vorn geholt wurde.
[BRT] Puh, ich fand das echt nervig und anstrengend. Auch wenn die Jungs knietief im Ruhrpott Meddl-Untergrund verwurzelt sind, hatte das wenig mehr als Schülerband-Niveau.
Band: Marius Wegener (vox), Daniel Hartmann (git), Christian Giesler (bass), Raphael Swierczynski (drums)
Setlist: Hope Dies Last, No Positive Sides, Age Of Decay, Death Awaits, Buried Underneath, Dead Snake Eyes, Welcome To Your Nightmare

:: Fotos :: THE NEPTUNE POWER FEDERATION ::

“Brüder und Schwestern, es ist an der Zeit, dass jeder einzelne von euch entscheidet: Wollt ihr das Problem sein oder die Lösung?”
(Brother J.C. Crawford; MC5 - Kick Out The Jams (1969))


[Psycho] Von der :: THE NEPTUNE POWER FEDERATION :: hatte ich bisher immer nur was gelesen, aber noch nix gesehen oder gehört. Stilistisch fand ich es jetzt aber gar nicht so wild durcheinander, wie gerne kolportiert wurde. Auf der einen Seite rockte die Band wie Sau, auf der anderen Seite hatten wir dann die sehr exaltierte Fronfrau, die für mich eher nach 80er-Indie-Sirene klang. Auffällig, wie oft ihre Stimmakrobatik durch Effekte verstärkt wurde, das hat man im Metal-Bereich so eher selten. Die Band dürfte in kleineren Clubs aber besser aufgehoben sein als auf dieser Riesenbühne in drückender Hitze. Zum Abschluss gab’s mit Metal Health noch ein für mich überraschendes Quiet Riot-Cover. Doch, recht unterhaltsam.
[Dajana] Der absolute Knaller! Eine ähnliche Offenbarung, wie letztes Jahr The Crypt. Screaming Loz Sutch – The Imperial Priestess definitiv ein Hingucker, auch wenn sie mir ein bisschen leid tat bei der Hitze. Und überhaupt, die Pseudonyme… hahaha. Großartig! Das hat richtig Spass gemacht. Und musikalisch hat es mir auch gefallen! Übrigens, dass aktuell siebte Album der Australier, Mondo Tomorrow, ist erst im April erschienen.
[Dirk] Neben dem stellenweisen Delay war der Gesang ansonsten furztrocken abgemischt, was ich ein wenig als störend empfunden habe. Etwas Hall hätte da gutgetan. Sicher ist, dass THE NEPTUNE POWER FEDERATION eine amtliche Live-Band sind. Wem sie auf dem RHF gefallen haben, sollte sie sich unbedingt nochmal im Club angucken. Da sind sie nochmal deutlich intensiver, nicht zuletzt, weil die aufwändige Kostümierung von Sängerin Screaming Loz Sutch besser zur Geltung kommt, wenn die Light-Show nicht durch die pralle Sonne gestört wird.
[Sui] Eine völlig wirre Ansage (die in der eingangs erwähnten Frage “Wollt ihr das Problem sein oder wollt ihr die Lösung sein” gipfelte) ließ das Publikum einigermaßen ratlos zurück, da niemand wusste, worin das Problem bestand und was die entsprechende Lösung wäre. Aufatmen allenthalben, als THE NEPTUNE POWER FEDERATION die Bühne enterten.
Abgefahrene und angesichts der Temperaturen geradezu tollkühne Kostümierung die Dritte: Ein bodenlanger ausladender (Reif-)Rock, ein ca. 50 cm aufragendes Kopfgestrüpp und ein Pelzbesatz hielten die Sängerin nicht davon ab, eine extrem gute Show abzuliefern, auch wenn ihr Aktionsradius durch ihre Outfitwahl ein wenig eingeschränkt war. Damit toppte sie jedenfalls Hällas noch mal um Längen. Und ihre Gesangslinien, die sie selbst mit Soundeffekten versah, waren auch das spacigste an der Band. Ansonsten war es eine sehr eigenständige Mischung aus Motörhead, Quiet Riot (sehr geile Cover-Version), 70’s Hard Rock mit leichten Garage-Einschlägen. Absolut unterhaltsam und hochklassig.
[BRT] Bei der Ansage zur Band wurden, glaube ich, einige Schlagwörter aus Rock-Klassikern verwendet, ich meine zumindest einige Anleihen an Spacemen's 3 Revolution gehört zu haben. Aber der Typ war möglicherweise auch nicht so ganz nüchtern. Aber egal, denn musikalisch gab es von THE NEPTUNE POWER FEDERATION energiegeladenen Hardrock/Garagerock ohne großartige Schnörkel in die Fresse. Das hat echt Laune gemacht und mit der abgefahren-kostümierten Frontfrau Screaming Loz Sutch gab es auch noch mal richtig was für die Augen, die dabei auch noch eine richtig geile Stimme hat.
[Seb] Keiner sagt was zu dem Wortspiel mit dem Namen? Gab den in den 70ern doch mit „Lord“ statt „Luz“….
Band: Screaming Loz Sutch - Imperial Priestess (vox), Inverted CruciFox (git), Search and DesTroy (git), Jaytanic Ritual (bass), River Sticks (drums)
Setlist: Elect Fairies, Bones Decay, My Precious One, Edmunde, Grip Of Death, Neath A Shin Ei Sun, I’ll Make A Man Out Of You, Mondo Tomorrow, Rat Queen, Metal Health

:: Fotos :: NAILED TO OBSCURITY ::

[Psycho] Es scheint irgendwie was Besonderes zu sein, wenn eine Band aus Ostfriesland kommt. Erschließt sich mir zwar nicht, muss aber wohl so sein, weil es immer und überall wiederholt wird, jetzt sogar hier… Fakt ist aber, dass :: NAILED TO OBSCURITY :: mit dem aktuellen Generation Of The Void ihr bisher stärkstes Album abgeliefert haben. Kein Wunder also, dass die Setlist schwerpunktmäßig auf Generation Of The Void beruhte. Die Band hatte sich auch Gedanken zur Bühnengestaltung gemacht und agierte von Anfang an sehr motiviert und professionell. Musikalisch war es etwas ruppiger als auf CD (oder muss man jetzt stattdessen im Stream sagen?), wodurch sich leider der cleane Gesang nicht so prägnant durchsetzen konnte. Trotzdem ein bärenstarker Auftritt, der mit weniger Tageslicht bestimmt noch besser rübergekommen wäre.
[Seb] Endlich mal macht mir die Bahn keinen Strich durch die Rechnung und ich schaffe es komfortable zur ersten der Bands, die ich sehen wollte. Gerade heute würde ja “härtere Kost” (wie meist an Tag drei des RHF) ansonsten dünn gesät sein. Unter welchem Subgenre man das jetzt exakt einordnen würde ist Ansichtssache, aber ich fand es trotz einem ordentlichen Anteil Melodie insgesamt erfreulich schnörkellos, alleine der Gesang hätte (wenig überraschend) für meinen Geschmack harscher sein dürfen. Schöner Auftakt, quasi eine frische Brise aus dem Norden, die bei der Hitze guttat.
[Sui] Musikalisch schlugen NAILED TO OBSCURITY in eine ähnliche Kerbe wie Paradise Lost, ich fand sie aber tatsächlich sogar besser als den Vortags-Headliner. Vielschichtig, hart, schwer wie ein frischer Klumpen Torf, mit Melodien, die wohltuend unkitschig waren. Ich hoffe, von den Ostfriesen noch mehr zu sehen und zu hören.
Band: Raimund Ennenga (vox), Jan-Ole Lamberti (git), Volker Dieken (git), Lutz Neemann (bass), Jann Hillrichs (drums)
Setlist: Glass Bleeding, Overcast, Generation Of The Void, Spirit Corrosion, Deadening, Liquid Mourning, Road To Perdition 23

:: Fotos :: GUS G. & RONNIE ROMERO ::

[Dirk] Oft entscheidet ja auch die eigene Verfassung darüber, wie man einen Auftritt wahrnimmt. Am dritten Festivaltag treten hier und da schon einmal Ermüdungserscheinungen auf. Und das Bier, das natürlich genauso viel Alkohol hat wie an den Tagen zuvor, scheint auch nicht richtig zu wirken. Ähnlich ging es mir bei :: GUS G. :: & :: RONNIE ROMERO :: Die Zutaten stimmten eigentlich, aber irgendwie haben sie mich nicht mitgerissen. Beeindruckend war allerdings, wie gut RONNIE ROMERO Dio imitieren konnte.
[Seb] Ich hab immer ein schlechtes Gefühl dabei, wenn Bands (ganz oder teilweise) den Namen von “Ausnahmegitarristen” tragen. Viel zu oft läuft das dann auf hemmungsloses Gefrickel und Gedudel hinaus… Keine Ahnung, wie viel eigenes Material die Band tatsächlich hat, aber die Menge an Cover-Versionen (teils natürlich Bands, in denen mindestens einer der Herren zuvor tätig war) war schon ungewöhnlich. Da kann man noch so sehr Ausnahme-Musiker sein: ein Gig bei dem sehr viele Stücke unterschiedlicher Band gespielt werden, hat mir persönlich zu wenig Kohärenz.
[Dirk] Hatte sie aber auch als Coverband abgespeichert. Und wo eigenes Material kam, hab ich mir den nächsten Coversong gewünscht.
[Sui] Ja, GUS G. & RONNIE ROMERO waren mehr Coverband als alles andere. Dass neben den gespielten Überklassikern, mit denen beide nur so ganz entfernte persönliche Berührungspunkte hatten, das eigene Material untergehen würde, war vorprogrammiert. Dabei war es gar nicht mal schlecht. Nur waren die restlichen Songs eben deutlich geiler und wurden zu Recht frenetisch mitgegröhlt, denn die Versionen waren echt gut.
[BRT] Technisch, qualitativ und gesanglich absolute Spitzenklasse, geile Songauswahl, aber trotzdem ein bisschen zu viel Coverband-Gefühl, kann man, muss man nicht … Mein Favorit war natürlich Highway Star.
[Dajana] Ich finde, die beiden passen musikalisch hervorragend zusammen und sollten sich daher mehr auf eigene Sachen konzentrieren, statt zu covern oder sich auf den Songs der ex-Arbeitgeber auszuruhen.
Band: Ronnie Romero (vox), Gus G (git), Andrea Arcangeli (bass), Johan Nunez (drums)
Setlist: Steel Burner, Force Majeure, Bring The Rock, The Mob Rules (Black Sabbath-Cover), Kill The King (Rainbow-Cover), Frenemy, My Premonition, Highway Star (Deep-Purple-Cover), I Am The Fire, Bark At The Moon (Ozzy Osbourne-Cover), War Pigs (Black Sabbath-Cover)

:: Fotos :: LUCIFER ::

[Psycho] Puh, das war peinlich: Ansagen zum Fremdschämen, pseudo-okkultes Rumgeschwurbel auf Kindergarten-Niveau und langweilige Songs ohne Höhepunkte. Letzteres mag Geschmackssache sein, aber Frontfrau Johanna machte sich die ganze Zeit anscheinend mehr Gedanken über ihre Frisur als über ihre Performance. So hatte sie zwar die Haare schön, ist aber alles andere als eine gute Sängerin, und bzgl. Bühnenpräsenz hätte ihr vielleicht ein Blick nach links auf die in jeder Hinsicht beeindruckende Frau am Bass hilfreiche Hinweise bieten können. Die Band aus den guten Mi(e)tmusikerInnen hätte definitiv Besseres verdient gehabt. Hat Coralie eigentlich dafür Atlantean Kodex verlassen?
[Dajana] Nein, hat sie nicht...
[Seb] Vor allem den Nekrophilie-Krams “mit Anfassen” hätte man sich sparen können, das war echt “cringe”, und ich weiß nicht, welche Zielgruppe damit beeindruckt werden sollte. Nicht, dass die anderen Ansagen wesentlich besser gewesen wären, sofern man sie verstehen konnte… Mehr verwundert hat mich eigentlich nur die Tatsache, dass es keine Band gibt, die denen den Bandnamen streitig macht? Mit 2014er Gründung kann man ja nicht der oder die erste :: LUCIFER :: gewesen sein….
[Dajana] Ja, da gibt es sicherlich viele, aufgelöste und aktive Bands, letztere aber ohne aktuelles musikalischen Lebenszeichen, so dass ihr wohl niemand den Namen streitig macht...
[Dirk] Es ging mir mit dem Auftritt von LUCIFER ein wenig so, wie mit ihren Alben: Ich find's ganz in Ordnung, weiß aber nicht, warum ich das brauchen sollte. Bonuspunkte bekommt allerdings Drummer Kevin Kuhn vor mir, weil er der einzig gut gelaunte Mensch auf der Bühne war. Schade, hätte mich gerne live überzeugen lassen.
[Sui] Eigentlich will ich zu LUCIFER gar nicht viel schreiben. Klassischer Riffrock mit Sabbath- und Led Zep-Anleihen, so “originell” wie der Bandname, von der Begleitband kompetent gespielt und von der Sängerin in den Sand gesetzt (oder in die Asche aus ihrer Urne?). Die Möchtegern-Evil-Gesten und -Ansagen von Luciferinchen waren peinlich. Lichtblick (also quasi im wahrsten Sinne des Wortes die eigentliche Lucifer) war die wirklich gute, motivierte und definitiv unterforderte Bassistin Claudia González Diaz.
[BRT] Wow, haha… hatte echt lange überlegt, wie ich die Belanglosigkeit des LUCIFER-Auftrittes in halbwegs diplomatische Worte fasse und dann gibt es von meinen Kollegen einen echt amtlichen aber leider verdienten Verriss.
[Psycho] Na, den hatten sie sich doch nun redlich verdient.
[BRT] Nun ja, die Band macht ja eher mit ihrem ganzen Drumherum und den zahlreichen Besetzungswechseln von sich reden als mit origineller Musik. Wenn ein Kiss-Cover schon der beste Song des Sets ist, sagt das leider schon relativ viel. Da ist irgendwie gar nichts hängen geblieben, die Musik ist bieder, gute Refrains musst du mit der Lupe suchen.
Paradoxon: die Frontdame, die sich so sehr auf Äußerliches und Stagepräsenz konzentriert und bei der Interaktion mit dem Publikum völlig unbeholfen und hölzern rüberkommt.
Ach so, Musik und so… komplett austauschbarer Retrorock, von einer echt guten Backing-Band gespielt. Gab es dafür das “Perlen vor die Säue” Sprichwort?
Band: Johanna Platow (vox), Coralie Baier (git), Max Eriksson (git), Claudia González Diaz (bass), Kevin Kuhn (drums)
Setlist: Anubis, Ghosts, Crucifix (I Burn For You), Riding Reaper, Wild Hearses, Lucifer, At The Mortuary, Slow Dance In A Crypt, The Dead Don't Speak, California Son, Bring Me His Head, Goin' Blind (KISS cover), Fallen Angel

:: Fotos :: ULI JON ROTH ::

[Psycho] Ehrlich gesagt waren mir damals die Scorpions vor Lovedrive und Animal Magnetism ziemlich egal, und die Aufregung um das Cover des Virgin Killer-Album hat es ja auch erst deutlich später gegeben. Von daher konnte von überbordender Vorfreude keine Rede sein, als bekannt wurde, dass dieses Album den Schwerpunkt des :: ULI JON ROTH ::-Sets bilden sollte. Tatsächlich war es dann aber doch ein sehr interessanter Auftritt, was zum einen an der superben Begleitband lag, zum anderen aber auch an Uli selber. Der überzeugte nicht nur mit seiner mitreißenden Agilität, sondern auch mit witzigen und informativen Ansagen zu den einzelnen Songs. So wurden es vergnügliche und unterhaltsame 65 Minuten, die mit All Along The Watchtower von Jimi Hendrix als ausdrückliche Referenz zum Ursprung unserer Lieblingsmusik endeten.
[Dirk] Nee, nee, da musst du dich zumindest nochmal bis zur In Trance zurückarbeiten! Mit Pictured Life und Catch Your Train beherbergt die Virgin Killer gleich zwei meiner absoluten Lieblingssongs von den Scorpions. Und ULI JON ROTH bringt mit seiner Band das Material unheimlich gut rüber. Obwohl der Sympath schon zweimal beim RHF war, immer wieder ein Fest!
[Seb] Käpt’n Iglu hat aber lange Haare bekommen… Ist jedenfalls mein erster Gedanke gewesen, als ich den Meister auf der Bühne sah. Als er sich dann auch noch bei seiner Begrüßungs-Ansage über das vor vielen Jahren einmal während seines Auftritts “hupende” Kanalschiff beklagte, wirkte Herr Roth erst einmal wie ein komischer alter Zausel, bewies dann aber schnell, dass er auch mit über 70 nichts verlernt hat. Man mag zu gut abgehangenem Hard Rock stehen wie man will, aber der alte Mann hat’s (immer noch) drauf. Zum Glück waren die Vocals deutlich besser als “Original-Scorpions” - andernfalls hätte auch das begnadetste Gitarrenspiel das nicht für mich retten können…
[Sui] Hatte ULI JON ROTH keine Zeit zum Rasieren gehabt? Der Saitenmagier hatte jedenfalls auch im Käpt’n-Iglo-Look die Sympathien des Publikums direkt auf seiner Seite, obwohl sein Beitrag zum RHF deutlich weniger heavy war, als die der meisten anderen Bands. Aber der inzwischen 72-jährige Mann hat es einfach drauf. Sein Gitarrenstil ist eine unverwechselbare Mischung aus klassischen Skalen und hartem Blues. Bassist und Leadvokalist Niklas war die perfekte Wahl, um den Original-Vocals von Klaus Meine das Nervig-Nasale zu nehmen.
[Seb] Kleine Frage am Rande: Haben die einzelnen Gitarren und deren Deko für Eingeweihte irgendeine nähere Bedeutung? Es wurde ja mehrmals gewechselt, jedes Mal mit andersfarbigem Tuch (oder was auch immer) am Hals, ohne dass es danach nennenswert anders klang, und ich glaube technische Probleme gab es maximal mit einer.
[Psycho] Die Gitarren mit den stark ausgeprägten Cut-Aways sind Ulis eigene Signature-Modelle, wenn ich recht informiert bin. Die anderen Klampfen sahen für mich aber ganz normal aus.
[BRT] Häresie Pt.666… Ich war nie Fan von den Scorpions, weiß dass die gute Songs haben, aber da ist ja leider Klaus Meine… ULI JON ROTH hat den Typen satanseidank nicht eingepackt, sondern hatte einen echt guten Sänger und richtig gute Backing-Vocalistinnen dabei, was das ganze Scorpions-Oeuvre etwas erträglicher macht. Insgesamt war das okay, leider habe ich den guten Uli in den letzten Jahren zu oft live gesehen und so richtig hat mich das nicht vom Hocker gehauen. Die leicht verwirrte alter-Kiffer-Masche spielt er auch etwas zu konsequent aus. Sympathisch schon, jetzt aber gern mal wieder was anderes.
Band: Uli Jon Roth (vox, git), Niklas Turmann (vox, bass), David Klosinski (git), Akasha Dawn Roth (keyb), Richard Kirk (drums), Célia Ramos (back.vox)
Setlist: Pictured Life, Catch Your Train, In Your Park, Backstage Queen, Virgin Killer, Hell Cat, Polar Nights, Sun In My Hand, We'll Burn The Sky, In Trance, All Along The Watchtower (Jimi Hendrix-Cover)

:: Fotos :: MIKKEY DEE ::

[Dirk] Im Vorfeld hatte mich dieser Act ziemlich kalt gelassen. Wenn man Motörhead schon ein paarmal im Original live gesehen hat, wer braucht das ganze nochmal posthum aufgewärmt, erst recht, wenn die beiden fehlenden Musiker so schwer zu ersetzen sind wie Lemmy und Phil Campbell. Nach ein paar Songs wusste ich dann die Antwort: Die Songs sind halt einfach geil und lassen einen, wenn sie gut gezockt sind, sofort in Feier-Laune verfallen. Und gut gezockt waren sie! Der Sänger brauchte zugegeben ein paar Stücke, um sich Lemmys originellem Organ anzunähern - Hätten sie ihn vorher einfach mal zum Grölen beim Partyzelt vorbeischicken sollen. Was da an Authentizität fehlte, hat allerdings :: MIKKEY DEE :: mit seinem fantastischen Schlagzeugspiel wieder wettgemacht! Eine erstklassige Wahl des Co-Headliners von den Festival-Machern!
[Psycho] Ich wusste auch erst nicht so recht, was ich von einer Cover-Band als Co-Headliner halten sollte, selbst wenn mit Mikkey das letzte noch verbliebene Original-Mitglied (zumindest der letzten Besetzung) dabei war. Tatsächlich hat es aber total Sinn und Spaß gemacht: die Band spielte hauptsächlich Songs, die teilweise schon seit Jahrzehnten nicht mehr in einer Motörhead-Playlist gestanden hatten, aber live zeigten, dass sie die Aufmerksamkeit allemal wert sind. Dazu wusste Mikkey unterhaltsame Dönekes zu erzählen und tat dies in einer erfrischend offenen Weise mit genau der Prise Humor, die auch Lemmy zu schätzen gewusst hätte. Von Mikkey’s Mitstreitern hatte ich vorher ehrlich gesagt noch nie gehört, sie machten ihre Sache aber mehr als ordentlich. Wobei klar war, dass Lemmys Organ einfach nicht zu ersetzen ist.
[Dajana] Bei aller Liebe zu Motörhead - aber das war für mich halt nur eine von vielen Coverbands, allerdings mit einem Originalmitglied. Was eigentlich mehr zu Herzen ging, war die Tatsache, wie sehr Mickey Dee seine Kumpels vermisst, schließlich ist er der noch einzig Lebende.
[BRT] Ich glaube, Lemmy hätte eine Motörhead-Coverband nur aus Frauen ziemlich cool gefunden… Ja, als Co-Headliner darf man etwas mehr erwarten als eine weitere Tribute-Band auch wenn das grundsätzlich schon sehr gut war und Mikey Dees Ansagen sehr sympathisch-emotional rüberkamen.
[Seb] Ich hab eingangs am ehesten eine Nostalgie-Stunde erwartet, und zumindest was das anging, wurde ich nicht enttäuscht. Im Rahmen der Möglichkeiten war das vermutlich so gut, wie es irgend geht, dafür dass der Sound nicht optimal war, kann die Band ja nicht viel. Ich bin allerdings der grundsätzlichen Auffassung, dass eine Coverband - selbst mit einem Original-Mitglied - niemals Co-Headliner eines Festivals sein sollte. Dafür gibt es doch eigentlich noch immer genug echte und aktive Bands, sollte man meinen.
[Sui] Auf MIKKEY DEE hatte ich mich gefreut, weil man Motörhead-Songs einfach am besten live genießen kann. Und immerhin war wenigstens ein Original-Mitglied an Bord, das auch zugab, dass es im Prinzip eine Coverband war. Die Songauswahl war überraschend und gab diesem Gig eine ganz eigene Berechtigung. Sogar zwei Nummern von der Another Perfect Day waren dabei, geil! Zwei Kritikpunkte habe ich aber dennoch:
1.) Die Gitarren gingen gegenüber dem Bass im Gesamtsound viel zu sehr unter und auch die Drums waren etwas schlapp abgemischt.
2.) Die Vocals waren zumindest zu Beginn viel zu durchschnittlich und weit von Lemmys Organ entfernt.
[Seb] Man muss aber immerhin anerkennen: je länger der Auftritt ging, desto näher geriet der Gesang zumindest in die Nähe des Originals, da der gute Mann nach und nach heiser wurde. Aber man kann auch nicht erwarten, dass jemand für diese Position in kürzester Zeit mehrere Dekaden Lemmy-Lifestyle nachholt, um (vielleicht) genauso zu klingen, hihi.
Band: Mickey Dee (drums - Micael Kiriakos Delaoglou), Viktor Skatt (vox, bass), Stig William Rickard (git)
Setlist: Love Me Like A Reptile, Iron Fist, The Chase Is Better Than The Catch, Killers, Shoot You In The Back, Snaggletooth, In The Name Of Tragedy, I Got Mine, Orgasmatron, Sacrifice, Born To Raise Hell, Shine, Killed By Death, Ace Of Spades, Overkill

:: Fotos :: SAXON ::

[Dirk] Es gab eine Periode, in der ich :: SAXON :: in kurzen Abständen so häufig live gesehen hatte, dass sie mir ein bisschen überdrüssig geworden waren. Aber jetzt war es mal wieder an der Zeit, und da SAXON nie einen schlechten Gig spielen, war die Vorfreude entsprechend groß. Ich wusste, was ich bekomme, ich wollte es haben, und es war geil! Ein würdiger Abschluss eines großartigen Festivals!
[Psycho] Heute hatten SAXON nur ein Motto: Hits, Hits, Hits! Doch zunächst fiel erst mal auf, dass Biff den Krebs anscheinend wirklich gut überstanden hat. Der Fronter bewegte sich viel und war auch stimmlich absolut auf der Höhe. Während SAXON normalerweise immer 3-5 Songs der aktuellen Platte einstreuen und sich ansonsten auf bewährte Kost aus allen Dekaden verlassen, gab es diesmal mit Ausnahme der Titeltracks vom aktuellen Album Hell, Fire And Damnation und des 86er Album Solid Ball Of Rock ausschließlich ein Best-Of der Jahre 79-84. Das kam natürlich bestens beim Publikum an, so dass praktisch das gesamte Set von den meisten Anwesenden lauthals mitgesungen wurde. Zwischendurch gab es dann noch die übliche Kuttenhuldigung (keine Ahnung, wie die Leute ihre Joppen hinterher wiederkriegen), und bei Denim And Leather holte man noch Uli Jon Roth als Gastgitarrist auf die Bühne. Aus irgendwelchen Gründen waren SAXON auch die einzige Band des gesamten Festivals, denen einen Zugabe vergönnt wurde (andere Bands wollten wohl, durften aber nicht). Die fiel mit Crusader und Princess Of The Night natürlich triumphal aus. Und dann war das ROCK HARD FESTIVAL auch schon wieder vorbei…
[Seb] Es ist ja üblicherweise Schlag 23 Uhr Ende, der einen oder anderen sich nicht fügen wollenden Band war aufgrund der Auflagen ja in der Vergangenheit sogar schon der Strom abgedreht worden…
[Sui] Normalerweise mache ich mich während der Zugaben des letzten Headliners schon auf den Weg nach Hause. Hatte ich meinen Mitfahrern eigentlich auch so angekündigt. Aber SAXON ließen mir dann doch keine Wahl als bis zur letzten Sekunde zu bleiben. Über die Musik muss man nicht groß schreiben. SAXON gehörten zu den Bands, die meine erste Metal-Phase mit geprägt haben. Und live sind das bis heute immer noch echte Gänsehaut-Momente, zumal die Band in Top-Form war.
[Seb] Zur Musik haben die Kollegen mehr gesagt als ich es bei SAXON könnte. Was ich aber noch hervorheben möchte ist, wie beeindruckt ich davon bin, dass Mr. Byford nach Chemo und Krebs-OP vor nicht allzu langer Zeit derart in Form war. Als jemand, der selbst seit Jahrzehnten immer wieder gesundheitliche Rückschläge hat, weiß ich, wie schwer das sein kann, sich nicht nur wieder aufzuraffen, sondern halbwegs in Form zu bringen… Kudos! Und damit sind wird dann leider schon wieder am Ende und es ist Zeit sich zu verabschieden. Trotz der kleinen Durchhänger bei der Hitze kommt es einem am Ende doch so vor, als sei man doch gerade erst angekommen.
[BRT] Bei SAXON waren meine Batterien alle, da hab ich nicht mehr alles gesehen. Aber über die Qualität der Briten braucht man keine Eulen nach Athen zu tragen, die Männer liefern immer zuverlässig und wer so viele geile Songs in Petto hat gewinnt eh jedes Duell. Guter Abschluss eines sehr schönen Festivals. Danke!
Band: Biff Byford (vox), Doug Scarratt (git), Brian Tatler (git), Nibbs Carter (bass), Nigel Glockler (drums)
Setlist: Hell, Fire And Damnation, Power And The Glory, Solid Ball Of Rock, And The Bands Played On, Heavy Metal Thunder, Dallas 1 PM, Strong Arm Of The Law, Denim And Leather (with Uli Jon Roth), Never Surrender, Motorcycle Man, 747 (Strangers In The Night), Wheels Of Steel // Crusader, Princess Of The Night

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Stories • BRT, Sui, Psycho, Dirk, Seb, Dajana • Pics © Dajana & Dajana Winkel • Photography